Wasserelement TCM

Pang-Guang, die Blase

Funktion, Krankheit und Prävention in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM)

Als Hauptfunktion der Blase wird das Empfangen und Ausscheiden des Urins benannt. Den Urin empfängt sie von den Nieren. Dieser wird aus den, von Lunge, Dickdarm und Dünndarm übermittelten, trüben Bestandteilen gebildet. Blase und Niere bilden ein Funktionspaar und reflektieren dadurch eine Innen-Außen-Beziehung. Die Blase ist ein sogenanntes Yang Organ und die Nieren sind das Yin Organ. Eine Schwäche der Blasenfunktion äußert sich in Schwierigkeiten beim Wasserlassen, Brennen und Inkontinenz, durch die Innen-Außen-Beziehung geht es emotional um Beziehungsarbeit.

In der chinesischen Medizin werden unsere Organe paarweise den 5 Elementen: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser zugeordnet. Die Elemente werden zyklisch in dieser Reihenfolge betrachtet. Das Holz ist der Frühling und das erste Element, das Wasser am Ende der Winter. Alle Organe stehen in dem zyklischen Austausch der Elemente in Beziehung miteinander. Die Organpaare sind jeweils eines ein Yin Organ, empfangend und das andere ein Yang Organ, eher abgebender Funktion um es vereinfacht auszudrücken. Alle Organe versorgen wiederum die Meridiane, die sogenannten Lebensenergie-Leitbahnen und können an den Akupunktur- oder auch Akupressurpunkten behandelt werden. Die chinesische Medizin ist eine ganzheitliche Therapiemethode.

TCM-traditionelle Chiessiche Medizin
5 Elemente Fütterungszyklus nach der chinesischen Medizin

 

Unsere Blase zählt zum sogenannten Wasserelement. Ihr Partner- oder auch Geschwister-Organ sind die Nieren. Beide zusammen stellen das Wasserelement des Körpers dar. Dem chinesischen Wasserelement wird die Jahreszeit des Winters zu geordnet. In dieser Zeit brauchen wir viel besonders viel gestärkte „Wasserkraft“ um gut durch die kalte und dunkle Jahreszeit zu kommen.

Krankheitsursachen

Der emotionale Aspekt des Wasserelement ist auf der einen Seite der Mut, auf der anderen die Angst. Wir kennen Sprichwörter wie: „Da hab ich mir vor Angst fast in die Hosen gemacht“ oder „Das geht mir an die Nieren“. Wenn unser Wasserelement geschwächt ist können wir seelisch unter Ängsten leiden oder Depressionen haben.

In der chinesischen Medizin gibt es verschiedene krankheitsauslösende Faktoren. Zum einen emotionaler Art, die „Sieben Emotionen“ und zum anderen klimatischer Art, die „Sechs bösartigen Einflüsse“.

Zu den krankmachenden Emotionen zählen: Wut, exzessive Freude*, Schwermut/Sorge, Trauer/Kummer und Angst/ Furcht. Diese Emotionen sind den Elementen zugeordnet, das Wasser Element wird durch Angst und Furcht stark geschwächt. Stress und zu wenig Schlaf zehren das Wasserelement zudem aus. Ein Burn-Out ist eine Folge von einer totalen Auszehrung der Elemente, im Spätstadium einer Erschöpfung der Wasserenergie, einhergehend mit Depression.

Die „Sechs bösartigen Einflüsse“ sind Wind, Hitze, Nässe/Feuchtigkeit, Trockenheit, Sommerhitze und Kälte. Dem Wasserelement setzt insbesondere die Kälte zu. „Die Blase verkühlt“, kennen auch wir. Eine verkühlte chronisch infektiöse Blase kann die Frau im Stimmungsbild eher ängstlich werden lassen und anders herum große Angst schwächt die Blase, so dass Infektionen sich leichter breit machen können. Die Frage nach: „Wer war zuerst da?“, also die Emotion oder ein klimatischer Einfluss, ähnlich der Huhn oder das Ei Frage, stellt sich in der chinesischen Medizin nicht, als Ursache kann beides ein gleichberechtigter Auslöser sein.

Vorbeugung

Aus diesen grundsätzlichen Betrachtungen ergeben sich schon einige Dinge, die bei häufigen Blaseninfekten oder bei Harnverhalt vorbeugend zu beachten sind: Schutz vor Kälte und Sorge tragen für Entspannung, unsere Batterien aufladen. Tatsächlich ist das Wasserelement der Speicher unserer Lebensenergie, also so etwas wie unsere innerste „Powerbank“, die wir bei der Geburt von unseren Eltern mit gegeben bekommen. Das kann mal mehr, mal weniger sein, je nachdem in welcher energetischen Situation sich die Eltern bei der Zeugung, und die Mutter während der Schwangerschaft und in der Geburt befanden.

Niere und Blase spielen also zusammen beim Inneren nach Außen lassen, eine Frage könnte zum Beispiel sein: „Wovor habe ich Angst es nach Außen zu lassen?“, wenn immer wieder Harnverhalt auftritt. Da hier der Beckenboden mit ins Spiel kommt, er verkrampft sich und behindert den freien Abfluss, ist es sehr hilfreich Beckenboden Enstpannungstraining zumachen. Das regelmäßige Sitzen auf einer Ballblase schafft Entspannung, die Betonung liegt hier auf Entspannung innen und außen. Möglicherweise muss daher mal geprüft werden, was im Außen für Stress sorgt, welche Beziehungen uns gar Angst machen. Die Niere ist das einzig paarige Organ und wird oft mit Beziehungsthemen in Verbindung gebracht, sie bilden mit der Blase eine Einheit.

Die Blase und unser Körper

Das die Blase ein sehr wichtiges Organ ist zeigt sich auch daran, dass der längste Meridian, der Blasenmeridian, von ihr energetisch versorgt wird. Dieser Meridian, mit 67 Einzelpunkten, beginnt an unserer Nasenwurzel, zieht sich parallel über den Kopf, teilt sich an den Schultern, so das parallel zur Wirbelsäule ein innerer und äußerer Ast verlaufen. Er zieht über den kompletten Rücken. Hier finden sich alle sogenannten Organ-Zustimmungs-Punkte, die in der Akupunktur und Akupressur eine große therapeutische Bedeutung haben. Er fließt unterhalb des Po wieder in einen Strang und verläuft an der Beinrückseite, längs der „Strumpfhosennaht“, hinab durch die Mitte der Kniekehle, weiter zum Fuß außen um den Knöchel herum, bis zum kleinen Zeh.

Schon durch den Verlauf ist zu erkennen wohin die Blasenkraft wirkt:

Haarausfall ist eine Hitze im Blasenmeridian, Beschwerden am Rücken und natürlich am unteren Rücken deuten auf ein energetisches Ungleichgewicht, möglicherweise ausgelöst durch vorab genannte Krankheitsursachen. Kniebeschwerden, es grüßt die Blasen- und Nierenenergie. Natürlich betrachten wir die Blase niemals alleine, es wird immer geschaut wie geht es der Nierenenergie, ihrem Geschwister Organ, wie geht es den Organen, die in den Elementen vor oder nach dem Wasser kommen.

Die Elemente Zyklen

Die Elemente sind zyklisch, und das Element vor dem Wasser nährt es und das Element nach dem Wasser wird von diesem versorgt: Mutter-Kind-Zyklus wir dies auch genannt. Ist die Mutter schwach, in dem Falle das Metallelement, kommt nicht genügend Energie in das Wasserelement. Das Metallelement, da sind die Organe Lunge und Dickdarm zugeordnet. Eine Infektanfälligkeit mit vielen Erkältungen schwächt folglich das Wasserelement.

Auch in der anthroposophischen Medizin gibt es den Zusammenhang von Stirn- und Nebenhöhlen- und Blasen-/ Niereninfekten. Wenn die Ausscheidungsfunktion gestört ist entsteht Sinusitis.

Ein sehr schönes rein pflanzliches Präparat ist: Angocin, Tabletten, die aus Meerrettich und Kapuzinerkressenextrakt hergestellt werden. Es gilt als pflanzliches Antibiotikum bei Blasen- und Stirnhölen Infektionen. Die beiden Kräuterbestandteile wirken zerstreuend und klärend. In der chinesischen Medizin sind Produkte die kühlen, wie z.B. Präparate die Minzöl enthalten, bei Kälte nicht angezeigt. Hier wird gewärmt und zerteilt. Mild scharfes und senfglycosidhaltige Pflanzen, die das Metallelement stärken und damit auch die Nieren wären: Meerrettich, Senf, Zwiebeln, Knoblauch, Rettich Radieschen, Sellerie. Und natürlich, viel warmes Essen und trinken: Tees, Suppen und Brühen. Miso Suppen, aus fermentiertem Soja hergestellt, am Morgen, Mittag und Abend mit etwas Ingwer und etwas frischer Zitrone getrunken, beugen vor und schützen. Wir erinnern uns: „die Blase gibt die trübesten Säfte ab“, also brauchen wir klare Suppen um zu reinigen. Dicke, fette Eintöfpe sind da nicht gefragt, eher Hühnerbrühe oder Zwiebelsuppe, jede Form von Minestrone, die klassische italienische Gemüsesuppe und dicke Socken oder Stulpen. Zum Glück sind Strickmoden wieder „in“, selbst der Postillion schreibt schon von der neuen Knöchelschal-Mode.

Zeigt her eure Füße…

Warme Füße sind bei dauerhaften Blasenkatharr leider oft Mangelware, daher empfiehlt es sich viele Fußbäder und Fußgymnastik, zB. mit einem Igelball zu machen. Dies entspannt nicht nur geplagte Füße sondern beugt zudem vor. Die Füße werden auch als unsere dritte Niere bezeichnet. Viel Fußgeruch, zeigt eindeutig eine Überlastung an Stoffwechselprodukten. Fußbäder helfen da und Massagen. Klassische Massagen der chinesischen Medizin: Die Tui-Na-Massage, was soviel wie „ziehen und schieben“ heißt. Dabei werden dynamische Massagegriffe verwendet. Schröpfen mit dem Saugglas, klopfen mit dem Pflaumenblütenhämmerchen. Dies ist ein kleiner Nadelhammer, der leicht, aber schnell über die Zonen auf der Haut klopft und Entlastung bringt. All diese Methoden sind wärmender und zerteilender Art um Kälte zu vertreiben und die Wasserenergie zu stärken. Moxatherapie, mit einer Moxazigarre, bestehend aus fermentierten und manchmal auch schon vorverkohltem Beifuss, werden die Akupunkturpunkte an den Füßen und Unterleib gewärmt oder auch die Nadeln.

Moxibustion
Moxatherapie auf dem Bauchnabel

 

Das Wasserelement im Winter pflegen

Das Wasserelement möchte im Winter besondere Pflege: Mehr Ruhe, einen Gang kürzer treten, mehr Schlaf. Wie die Natur, die sich hier in ihren inneren Kern zurückzieht, die Bäume ziehen das Wasser in die Wurzeln, die Blätter fallen ab. So tut auch uns es gut aus der sommerlichen aktiven Freude nun etwas besinnlicher mit uns um zugehen. Yin Yoga ist hier eine optimale Unterstützung. Die chinesische Wasserzeit beginnt übrigens im November und endet im Januar. Ab Februar haben wir es schon mit dem nächsten Element zu tun, dem Holz: Leber und Gallenblase sind seine zugeordneten Organe. Ab da darf bewegt und gefastet werden, die Muskeln werden von diesem Element versorgt.

Europäische Heilkräuter

In einen guten Blasentee gehören Schachtelhalm, Goldrute und auch Wacholder, in vielen Fertigmischungen sind sie, ausgewogen balanciert, zu finden. Ein besonderes Blasenkraut möchte ich noch vorstellen, eines was ein bisschen ein Schattendasein führt wegen seiner bekannteren schlanken Schwester: den Breitwegerich. Er ist eine Pflanze, die an Wegesrändern, am Übergang von hell zu dunkel, am Übergang von Wald zu Feld zu finden ist und nicht nur buchstäblich etwas im Schatten steht. Diese wunderbare Pflanze verordne ich gerne wenn viele Ängste vorhanden sind, die Menschen gerade auf einer Schwelle des Lebens stehen, Angst vor dunklen Gefilden (ihrer Seele) haben oder alten traumatischen Erlebnissen. Wenn eine Blasenentzündung einhergeht mit diesen emotionalen Mustern, ist der Breitwegerich sehr gut angezeigt. Sein lateinischer Name ist: Plantago major. Eine große Pflanze, wie es scheint. In der Signaturenlehre, der Kunde, die vom äußeren Erscheinen der Pflanze Rückschlüsse auf ihr Wirkungsspektrum macht, passt er sehr gut: wie eine Blase sehen die breiten dunkelgrünen Blätter aus.

Plantago major
Breitwegerich

Die Farben, der Geschmack und Teatime

Die Chinesen ordnen jedem Element eine Farbe zu und auch einen Geschmack.

Die Farbe des Wassers ist schwarz und so stärken Lebensmittel die schwarz sind besonders gut unsere Blasen- und Nierenkraft. Das wären die schwarzen Bohnen und Linsen, schwarzer Sesam, schwarze Algen, Misopaste und Sojasoße zählen zu den Wassernahrungsmitteln, so wie Fisch, insbesondere Meeresfisch. Der Geschmack ist der salzige, so kann dieser die Nieren stärken, zu viel davon wirkt schwächend. Die sogenannte Organzeit des Nieren- und Blasenmeridians ist am Nachmittag. Zuerst die Blase 15-17h, dann die Nieren 17-19h, passend zur klassischen Teatime. Hier den Tee genossen erfreut dies Blase und Niere umso mehr, denn zu diesen Zeiten können die Organe besonders gut erreicht/behandelt werden.

Alle hier genannten Hinweise können nur auf eigene Verantwortung angewandt werden und sollten mit deiner TCM Therapeutin besprochen werden.

Diesen Artikel findet ihr auch in der neuen Ausgabe der Clio, die Zeitschrift des FFGZ Berlin. Diese  Ausgabe handelt rund um das Thema Blase!

Kurs zum Beckenbodentraining BEYO aktuell im Chisalon jeden Mittwoch von 18.30-19.30h

Bilder

©Heike Brunner

Fotos/Zeichnungen: Chinesischer Zyklus der Elemente, Moxa am Bauchnabel mit einer Ingwerscheibe, Breitwegerich

*Exessive Freude ist die Emotion des Feuerelement, welchem das Organ Herz und unser Geist, das sogenannte „Shen“ zugeordnet wird. Mit exessiver Freude werden z.B. Zustände beschrieben die durch Drogenkonsum entstehen können, aber auch Gefühlsbilder wie „Himmel hoch jauchzend, zu Tode betrübt“, fallen hierunter, so auch alle manischen Zustände.

 

Merci, T W O!

Die zwei Schwestern des Butho-Tanz

Minako Seki und Yumiko Yoshioka, zwei Pionierinnen des Butho-Tanz in Europa zeigen aktuell ihr gemeinsames Stück TWO im Doc11 dem Berliner Publikum.

Butho-Freundschafts-Tanz-Theater, auf höchstem Niveau, könnte man es auch benennen. Denn wenn zwei, die sich kannten und lange zerstritten waren, wieder gemeinsame Sache machen, kann so etwas vollendetes entstehen. Eine echte Herzenssache, wie Regisseur Wolfgang Piontek, am Abend nach der Premiere in bekennt.

Die Tänzerinnen kamen Anfang der 80ern nach Europa und trafen dort auf die freie Berliner Theater- und Perfomance-Scene. Zusammen mit dem Künstler delta RA‘ì, gründeten sie 1988 die deutsch japanische Butho-Tanz-Gruppe: tatoeba – Theatre Danse Grotesque. Die Gruppe tourte weltweit, doch es dauerte nicht lange und die beiden trennten sich, leider zerstritten. Eine jede ging ihrer Wege alleine weiter und beide arbeiteten an ihren Karrieren als erfolgreiche Tänzerinnen.
Beide Frauen sind bekannt für ihren starken Stil und Ausdruck, für eine intensive Bildästhetik und sind als Ausbilderinnen international anerkannt und wertgeschätzt. Dem Regisseur Wolfgang Pionthek ist es nun zu verdanken, das diese beiden hochkarätigen Künstlerinnen, nach fast 20 Jahren, wieder gemeinsam an einem Tisch sitzen können und sogar gemeinsam wieder auf die Bühne traten. Das Thema: Ihre Geschichte, ihre persönliche und die ihres Tanzes.

In spannenden ausdrucksstarken Bildern leben sie ihr Stück tanzend, in einem Raum, der nur durch Licht und Schatten-Linien und mit minimalen Requisiten auskommend in allen Winkeln bespielt wird. Mal die Wände hoch gehend, mal rennen sie tanzend am Boden, vielschichtig wie sie selbst es sind. Der multimediale Einsatz von Video und Klang umrahmt das mal dramatische mal groteske Geschehen, mit vielen dichten Körperaufnahmen oder Probeszenen, so dass das, was wir als Zuschauer nicht sehen können, noch näher kommen kann . Moderne, manga-artige selbstironische Szenen reizen gar die Lachmuskeln und das inzwischen dazu gekommene Thema des Alterns einer Tänzerin wird interessant ins Rampenlicht gerückt. Natürlich ist die Liebe zur Freiheit, zum Selbstausdruck und dem Wiederfinden einer Freundschaft, als roter Faden, immer zu spüren und so ist dieses Stück, zu den erstklassischen tänzerischen Leistung der beiden, als ein echtes Highlight zu bezeichnen.

Berlin hat es gestern mit begeisterten Beifall honoriert, bekanntlich keine ganz leichte Kunst. Die Zuschauer waren sichtlich berührt und in einer Zeit wo zwischenmenschliche Hürden größer werden, ein wirklich wichtiges Stück. Das Leben ist eben zyklisch und wir begegnen uns (selbst) immer wieder, was immer eine Chance birgt etwas Neues zu tun. Die beiden haben den Moment erkannt und etwas großartiges daraus gemacht. Das Stück wurde 2017 in der Eisfabrik Hannover, der „Homezone“ von Wolfgang Pionthek uraufgeführt, der zudem der künstlerische Leiter von Commedia Futura ist, einer freien Theater Gruppe. Schon dort haben sie das Publikum abgeholt und von den Stühlen gerissen. Vielleicht ist es das Versöhnungsthema, was diesem Stück diesen wirklich ganz besonderen Zauber gibt. Danke an TWO und dem Regisseur und allen Beteiligten!
Das Stück ist noch bis Sonntag den 9.9. im Doc 11, Kastanienallee, Berlin zu sehen, Karten sollten telefonisch reserviert werden!

http://www.dock11-berlin.de/index.php/cat/1/id/p705_COMMEDIA-FUTURA–TWO.html

Miso-Stulle – Empowers you!

Empowerment wird mit der Fähigkeit des selbstständigen und selbstverantwortlichen Handelns in Verbindung gebracht.

Um vertrauensvoll und selbstständig Handeln zu können brauchen wir, aus Sicht der chinesisch Medizin, eine gestärkte Wasser-Energie. So wird auch von der Stärke des Nieren-Qi (=Energie) gesprochen, welches dem Wasser-Element zugeordnet ist. Hier ist unsere Willenskraft beheimatet, besser gesagt verwurzelt. Die Nieren-Energie gilt auch als Speicher unserer Ursprungs-Energie. Einen Teil davon erhalten wir konstitutionell von den Eltern vereerbt, dieses Reservoir verbraucht sich bis etwa Mitte Dreißig, ab da müssen wir es aktiv pflegen.

Dieses Kraftreservoir nutzen wir bei allem was anstrengend ist („Geht mir an die Nieren…“), bei allem was wir trotz Ängste und Besorgniss bewältigen, bei allem was uns trotz großer Trauer weiter machen lässt, bei allem was uns bei Verwirrung  doch das Ruder in der Hand halten lässt, damit uns der Lebensfluß nicht im Zickzack durch die Strömung trudeln läßt.

Mit Nahrungsmitteln die 5 Elemente stärken

Eine Tonisierungs-/Stärkungsmaßnahme für diesen „Kraft-Wurzel-Motor“ ist: Miso zu essen! Miso wird dem Wasser-Element zugeordnet, es ist dunkel, fast schwarz und salzig, das entspricht der geschmacklichen Zuordnung des Wasser-Elementes und auch seiner Farbe.

Um also all unsere Eigenmacht tragen zu können, um all die Herzensideen, die wir anzetteln und für die wir brennen ohne zu verbennen, zu realisieren oder um uns von Trauer, die wir verarbeiten wollen nicht handlungsunfähig machen zu lassen oder um vor Sorgen und Grübelei am Ende kein Selbstvertrauen mehr zu haben, geschweige uns selbstverantwortlich durch die Welt tragen möchten, dafür können wir uns täglich mit einer salzigen Miso-Stulle wirklich etwas Gutes tun.

Miso enthält übrigens viel Vitamin B12, gut für die Nerven und gut gegen vampiristische Insekten!

Die Miso-Stulle , ein Rezept aus der 5 Elemente Küche

Roggenbrot (Feuer-Element)

Butter oder Gee, Frischkäse (Erde-Element)

Knoblauch oder Pfeffer (Metall-Element)

Misopaste (z.B. Gersten-Miso, Miso=Wasser+Gerste= wässriges Erde-Element)

Gurke /grüner Salat (Holz-Element)

Rosmarin, Curcuma (Feuer-Element)

Möhrchenstreifen, Paprika /(Erde-Element)

Cumin, Radieschen, Rettich, Kresse, Schnittlauch (Metall-Element)

Dieses Rezept endet mit  Zutaten aus dem Bereich Metall-Element, damit kann dieses extra unterstützt werden. Durch weitere Beigaben oder Weglassen, kann auch ein anderes Element als Endnote gewählt werden. Dazu könnt ihr euch zunächst am Geschmack oder an der Farbe eurer Zutaten orientieren. Im Netz gibt es  die 5 Elemente Nahrungsmittel-Listen zum Downloaden, da könnt ihr dann nochmal ganz genau nachsehen. Die Reihenfolge der Zutaten werden in der Reihenfolge der Elemente dazu gegeben, dabei ist es erstmal egal bei welchem Element ihr einsteigt. Da mindestens ein Umlauf gemacht werden sollte schmecken die 5 Elemente Gerichte „rund“, ein weiterer Pluspunkt, neben der gesunden Ausgewogenheit.

Die Geschmäcker und Farben der 5 Elemente 

Holz – sauer und grün

Feuer – bitter und rot

Erde – süß und gelb

Metall – scharf und weiß/silbrig

Wasser – salzig und schwarz

Die emotionalen Themen, die ihr mit der „Endnote“ unterstützen könnt sind

Holz – Planen und Umsetzen / Wut versus Großzügigkeit

Feuer – Freude statt Verwirrung, am selbst, am Handeln, in Kommunikation gehen können

Erde – Sorgen, Grübelei versus Vertrauen: „Die Dinge entwickeln sich“

Metall – Trauer, Abschied, Kummer, sich von etwas oder jemanden trennen, Klarheit, Raum schaffen für Neues

Wasser – Ängste, Erstarrung, verwurzelt sein, mutig sein, Resilienz und Ressource

Wer keine Miso-„Stulle“ mag, kann alternativ täglich eine kleine Miso-Suppe essen. Dabei wird das Miso anstelle eines Brühwürfel verwendet.

Ich wünsche eine schöne Sommerzeit, ein starkes Self-Empowerment und lasst es Euch schmecken

LG

Heike

 

Hier ein link zu einer Nahrungsmitteltabelle nach den 5 Elementen:

http://www.essenz.at/fileadmin/dokumente/lebensmitteltabelle_essenz.pdf

 

Ein absoluter Buchklassiker der 5 Elemente Küche ist dieses Werk:

Ernaehrung-nach-den-Fuenf-Elementen-Barbara-Temelie.17496

https://www.narayana-verlag.de/Ernaehrung-nach-den-Fuenf-Elementen-Barbara-Temelie/b17496?alsobought=1

 

Die Rosenblüten des Monsieur Jafar

Der Tag eines marokkanischen Kräuterhändlers

Traditionelle Gewürze und Heilkräuter erhält man in Marokko auf dem Markt, dem Souk. Die Händler kennen die Anwendung der Kräuter in der Küche und geben Rat bei allerlei Beschwerden. Monsieur Jafar ist einer von ihnen.

Es ist noch früh am Morgen, die Hunde bellen und die Katzen begeben sich am Fischmarkt in Position. Auch Monsieur Jafar macht sich bereit und fegt seine zukünftige Verkaufsfläche. Dazu benutzt er seinen kleinen Palmwedelbesen und anschließend sprenkelt er etwas Wasser über die Steine. Sein Laden ist eine kleine Straßenecke in Taghazout, einem Fischerdorf im Süden von Marokko.

Monsieur Jafar, der lieber nur Jafar genannt wird, ist nicht mehr ganz der Jüngste. Sein Gesicht weist ein paar Fältchen auf, manche vom Lachen, manche hoffentlich nur vom Klima, denn die Sonne, der Wind aus der Sahara und die salzige Luft des ständig tosenden Atlantiks zeichnen die Menschen hier.

Sein Vater und sein Großvater hatten ebenfalls einen Kräuterladen, erzählt er gerne und so half er schon von Kindesbeinen an mit im Kräutergeschäft. Später wurde es traditionell vom Vater an den Sohn weitergereicht. Tatsächlich hatte der Vater wohl früher Ladenräume in Agadir, in der nahen Stadt, aber Jafar hat es nach Taghazout gezogen. Dort ist er einer der letzten Marktverkäufer, denn den „Wochen-Souk“ gibt es seit 2017 nicht mehr im Dorf.

Taghazout erlangte in den 70ern Hippieruhm, angeblich spielte Jimi Hendrix am Strand. Inzwischen von internationalen Surfern entdeckt und bei den Städtern zum Badeausflug sehr beliebt, steigen die Grundstückspreise und vieles verändert sich. Nur Jafars „Laden“ liegt weiter an der gleichen Straßenecke, am alten Marktplatz, gegenüber von der Bushaltestelle, zwischen einem Durchgang zum Arganölhändler und einem Imbiss mit duftenden, gebratenen Fischsandwich und frisch gepresstem Orangensaft.

Noch sind seine Schätze in Plastikboxen verschlossen, die er all morgendlich, auf der Verkaufsfläche aneinander reiht. Er hat eine klar strukturierte und immer gleich bleibende Anordnung, so wie im Supermarkt, da finden sich auch alle zurecht, weil alles am gleichen Platz steht. Wenn er dann die Deckel lüftet treten die Farben und Düfte in Erscheinung. Ganz rechts außen platziert er den kristallenen Alaun und die hellbraune Heilerde. In der vorderen Reihe finden sich leuchtend gelber Safran, oranges Curcuma, heller Ingwer, braunroter Zimt und grünliches Kumin. Dahinter die Blüten und Blätter der Rosen, Malven, Verbene, Kamille und anderen landeseigenen Besonderheiten, wie eine Wurzel zum Abnehmen und welche zum Zähneputzen. Seine wunderschöne alte Waage mit zwei leuchtend orangenen Plastiktellern als Waagschalen steht ganz links. Wenn sein Stand fertig aufgebaut ist bemisst er etwa zwei Meter Länge und einen halben Meter Tiefe und schmiegt sich entlang einer türkisblau getünchten Hauswand.

Jafar verkauft nur einheimische Kräuter. Woher seine Kräuter kommen weiß er genau, er geht sie zwar nicht selbst sammeln und bekommt sie geliefert, aber die Anbau Regionen kennt er und er hat auch schon die eine oder andere besucht. Der Alaun, sagt er, ist aus der Sahara, die Rosenblüten aus der Provinz El Kelaa, die Minze aus der Region Marrakesch, der Ingwer und die Verbene aus dem Atlas. So liegt ihm täglich das ganze Land zu Füßen und die Touristen und Einheimischen können sich daran erfreuen.

Die ersten potentiellen Kunden ziehen von der Bushaltestelle, auf dem Weg zur Strandpromenade, an ihm vorüber und er begrüßt sie freundlich. Für die Schüchternen bietet er schon abgepackte Kräuter in einer Tüte an. Die einzelnen Bestandteile sind sorgfältig auf einander geschichtet und so kann genau erkannt werden was die Mischung bereithält. Der erste Verkauf am Morgen ist immer etwas Besonderes, er bringt das Glück für den restlichen Tag, so will es das eherne Sprichwort der fliegenden Händler. Die Touristinnen sind interessiert. Im Sortiment sind die traditionellen Schminkutensilien der Marokkanerinnen, tönerne Schälchen mit der roten Lippenschminke und schwarzes Kajalpulver in Röhrchen oder kleinen feinen hölzernen Fläschchen abgefüllt, mit einem Hauch von 1000 und einer Nacht. Eigentlich kaufen das nur noch die Alten oder halt die Touristinnen, die jungen Marokkanerinnen ziehen meistens moderne Produkte vor, stellt er fest.

Bis vor kurzem gab es neben den Kräutern lebendige kleine Landschildkröten und grüne Chamäleons zu kaufen, aber dies ist wohl nun doch verboten worden oder er meint ihnen auf jeden Fall nicht genug Platz bieten zu können. Zu Hause hat er Landschildkröten, sie gehören zu einem klassischen marokkanischen Haushalt, wie in Deutschland einst der Dackel.

Wenn Jafar nach seinen Kräutern gefragt wird kommt er auf Hochtouren, die Rose, ja, das ist das Beste und Schönste was es an seinem Stand gäbe. Zu verwenden sei sie als Tee oder als Waschung. Er gibt Empfehlungen, wie bei Magenproblemen unbedingt ein paar Kamillenblüten dazu, bei Schlaflosigkeit den blauvioletten Lavendel. Die Verbene mit ihrem zitronigen Geruch, sie wächst wild in Marokko, helfe besonders zum Schlafen und bei Husten. Wer es genau wissen möchte erhält einen kleinen Kochkurs: Hier ist die Mischung für die Tajine, die traditionelle Tontopf-Gar-Küche aus Marokko und dort ist das Curcuma. Curcuma lobt er in höchsten Tönen. Doch das grünliche Kumin, bei uns als Kreuzkümmel bekannt, ist nun wirklich die absolute Heiligkeit: Es helfe immer und sofort bei verdorbenem Magen. Es soll in Wasser gelöst als Tee getrunken werden. Die Touristen verziehen das Gesicht, er lacht und bekräftigt seine Aussage mit einem: „Is verry good!“ Der Alaun wird gegen das Schwitzen, wie ein Deo verwandt und nach der Rasur um die Poren zu schließen und zu desinfizieren, die sandfarbene Heilerde empfiehlt er als Gesichtsmaske. So hat Jafar den Status der örtlichen „Kräuterhexe“ inne und wird gelegentlich um Rat gefragt.

Die gewählten Kostbarkeiten wiegt er mit der alten Waage und den abgegriffenen Gewichten, deren Zeichen nicht mehr wirklich zu erkennen sind, ab. Eine Blüte getrockneten Anis legt er als besondere Zugabe gern mal obenauf, das sei der traditionelle Zahnstocher erklärt er.

Sein Feierabend wird mit Sonnenuntergang eingeläutet, spätestens wenn der Muezzin ruft ist der Laden zu. Vielleicht noch ein Tee mit Freunden, den „Berber-Whisky“, wie die Marokkaner gern den stark gekochten Minztee nennen, denn Alkohol ist tabu.

Dann macht er sich auf die Heimreise, ins benachbarte Dorf zu seiner Frau und der Tochter um am nächsten Tag wieder zu kommen. Einmal die Woche hat er frei, wann das genau sei wisse er nicht, je nachdem wie es gerade passt antwortet er und lacht dabei.

Sein Name ist übrigens aus dem Süden sagt er und bedeute nichts. Jafar ist einfach bescheiden, auf Namensseiten ist zu lesen es bedeute auf Arabisch Strom, Fluss oder Bach, passend zu seinem Laden, der sich wie ein kleiner farbenfroher Bachlauf aus bunten Kräutern am Boden entlang schlängelt.

Ein Stück Trost Datschi

Ein Stück Datschi gegen die Trauer, gegen den Kummer!?

Eigentlich heisst es ja ein Stück Schoki gegen den Kummer , aber bei mir ist es der Datschi. Für alle, die denken ich bräuchte ein Ferienhaus, nein, ich meine nicht die Datscha, sondern köstlichen Pflaumen- oder gar Zwetschgenkuchen, in süddeutscher Mundart auch Datschi genannt. Um eben diesen geht es, denn er ist meine persönliche  saisonale Eröffnung  der Herbstzeit.

Der Herbst steht in der chinesischen Elementelehre für  das Element Metall.

Zeit für Abschied, vom Sommer, vom Jahr, von einem Zyklus, verbunden mit etwas Trauer… denn Loslassen und Platz machen kann auch endgültig sein.

Wenn ich zu Beginn des Herbstes  anfange Pflaumenkuchen zu backen, dann denke ich an vergangene Zeiten. An die Zeit als ich das Backen entdeckte, angeregt durch meine Oma und zeitgemäß mit Vollkornmehl experimentierte. Ich nahm 20 km Fahrradfahrt in Kauf nur um an meinem Geburtstag (Ende September) Pflaumenkuchen mit einem Hefeteig aus Vollkornmehl servieren zu können. Heute, wo es fünf Bioläden um die Ecke und jeder Supermarkt eine Bioecke führt, kaum mehr vorstellbar…

Aber was mich am meisten, bei dem Geniesen des ersten Pflaumenkuchen im Jahr, bewegt sind die Erinnerungen an meine Oma. Denn die hatte eine recht eigentümliche geschmackliche Vorliebe:

Nichts ging über ein Stück leckeren Pflaumenkuchen zusammen gegessen mit einer  kräftigen Kartoffelsuppe!

Ich liebe es meinen Kindern dies zu erzählen,  die sich bei der Vorstellung regelmäßig schütteln, aber im Grunde ist es eine Variation, die fast chinesisch anmutenden läßt: süß-sauer und salzig!

Das Foto oben zeigt meine Oma zusammen mit meiner Mutter Ende der 40er Jahre. Mein Opa war Fotograf und  dieses Foto entstammt einer  Serie, die eine Werbeaktion für die erhoffte Kundschaft war. Schon als Kind war ich über dieses Bild wegen der vergangenen Jugendlichkeit, obwohl meine Oma da auch schon mindestens 45 war, sehr fasziniert. Habe ich sie doch nur als wirklich ältere Frau erlebt, die ständig putzte, kochte und lecker buck und, wenn sie mal etwas verloren hatte, den heiligen Antonius um Hilfe bat.

Fotos haben, so finde ich, einen besonderen Hauch von der Metall-Qualität. Insbesondere schwarz-weiß Fotos. Denn dem Metall werden die Farben weiß, silber, grau zugeordnet, Farben, die auf den alten Fotos zu finden sind. Meine Mutter, die im Fotolabor als Teenager die schwarz-weiß Bilder entwickelte, erfreute sich insbesondere der Fotos von Wolkenbergen. Zu beobachten wie sich  ihr diese,  in der Entwicklerwanne, immer mehr offenbarten und vor ihrem Auge  aufquollen, so wie mein Hefeteig, war der Highlight eines Labortages.  Es sind die Momente des Innehaltens, wenn der Atem fast stockt, um den spannenden Moment, einer neuen Entwicklung, durch nichts zu verpassen.

Im Herbst,  wenn das Trennen vom Sommer oder anderem zu schwerlastig wird und uns regelrecht den Atem verschlägt, dann können wir uns mit bewußten Atemübungen wieder in das Leben zurück bringen. Die Meditation: Einatmen und die Zukunft dabei ein atmen und Ausatmen und dabei die Vergangenheit aus atmen, hilft aus der Stagnation des gestockten Atems – Lebens- zu entkommen. Denn das Leben ist rund und  dreht und atmet einfach und fast unverschämt weiter, dann doch besser aktiv mit uns wie ohne uns! Auch andere Qi Gong Atemübungen beleben in dieser Zeit, rhythmisieren und stärken sogar die Abwehr.

Veränderung ist ein Teil von uns und kann freundlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge begrüßt werden, statt alles festhalten zu wollen, was letztlich noch zu Verdauungsproblemen führt. Denn zum Metallelement zählt nicht nur die Lunge, sondern auch der Dickdarm.

Fragen die wir uns stellen können und im Herbst unser Metall stärken sind:

Welche Pläne kann ich los lassen?

Welche Beziehungen kann ich los lassen?

Welche schlechten Gewohnheiten kann ich loslassen?

Welche Trauer kann ich los lassen?

Welche Ängste kann ich los lassen?

Diese fünf Fragen zeigen die Metallqualität in jedem der fünf chinesischen Elemente: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser.

So wünsche ich ein freudvolles oder zumindest bewußtes Loslassen der Dinge, die wir nicht mehr brauchen um Platz für die neuen Dinge, Menschen, Lebensabschnitte und Entwicklungen zu machen.

Und dabei  genieße ich, in süßsaurem Andenken an meine Oma, das erste Stück Datschi und den Beginn der Herbstzeit, manchmal auch auf einer Datscha.

PS.: In den Wartezeiten für die Hefe könnt Ihr daddeln, stricken, atmen oder vielleicht etwas loslassen, nur laut schreien solltet ihr nicht, denn dann geht die Hefe kaputt und der Teig wird nicht locker. Das ist ein Tipp von meiner Oma, aber vielleicht wollte sie ja nur, das wir nicht so einen Lärm in der Küche machen…

Die Knochen trocknen lassen

Neulich bei der Prophylaxe, meine ausführende Zahnreinigerin hatte glücklicherweise nicht so viel Arbeit mit mir und so plauderten wir über: Das Wetter. Insbesondere über diesen nassen und nass bleibenden Sommer. Sie meinte: „Die Knochen können diesen Sommer gar nicht trocknen.“ Ich lachte und verstand sofort was sie meinte…

In der TCM (traditionellen chinesischen Medizin) sprechen wir von Feuchtigkeit, die den Körper belastet. Das kann Feuchtigkeit aus Nahrungsmitteln sein, aber auch direkt als klimatischer Faktor, sprich vom Regen. Für gewöhnlich tanken wir wirklich die Sonne im Sommer und die trockene Hitze kann das zuviel an Feuchtigkeit, was sich ab einem gewissen Reifeprozess leider als ziehen in Muskeln und Gelenken oder Narben (Wetterfühligkeit!) bemerkbar macht, trocknen. Die Sonne, der Sommer, die Hitze treibt die Nässe, die Kälte des Winters, dem Wasserelement endgültig raus. Das Bild der Knochen entspricht dem Wasserelement. Diesem werden Skelett, die Zähne und die Ohren zugeordnet. (Akute Mittelohrentzündung ist übrigens eine feuchte Hitze im Gehörgang).

Da es jetzt schon fast zehn Tage her ist, wo die freundliche Dame dies sagte und es schon wieder in Strömen hier schüttet, fühle ich mich gerade zu berufen ein paar Nahrungsmittel und Ideen zum Vertreiben der Nässe aus den Knochen zu empfehlen.

Zunächst einmal sollten Nahrungsmittel die viel Feuchtigkeit, vor allem eher zähe, produzieren gemieden werden. Die da wären, Milcheisprodukte, Milch vor allem Jogurt, kalte Milchgetränke und Kaltes im Besonderen. Um die noch vorhandene kalte Feuchtigkeit hinaus zu transportieren sind wärmende und zerstreuende Nahrungsmittel gut: Curcuma in Hafer- oder Reismilch- Achtung Soja kühlt, daher eher nicht. An kalte Getränke sollten scharfe und wärmende Gewürze wie Chili, Ingwer oder Meerrettich. Viel gelobt sei hier das Gingerbeer. Viel Ingwer hilft den Schleim/stagnierende Feuchtigkeit zu vertreiben. Auch Malvenblüten und Hollunderblüten sind gut um Schleim herauszubringen und erfrischen dabei. Kichererbsen mit Spinat und Ingwer, Kartoffeln mit Lachs-Zuchini-Merettich-Limetten Gemüse, Salate mit Chili, Ingwer und Curcuma und wenn Shakes, dann auch mit etwas Curcuma und viel rotem Obst, Pflaumenkuchen und Kompott mit Nelken und Zimt… Trockene Sauna, ein Flugticket nach, tja wo ist es gerade heiß und trocken!?, Moxa-Therapie!

Moxa macht eine trockene Wärme und hilft damit sehr gut gegen die Feuchtigkeit. Die Moxazigarre bestehet aus fermentierten Beifuß und entwickelt, neben der trockenen Wärme, einen sehr krautigen Verbrennungsgeruch. Es gibt auch raucharmes Moxa,  dieses wurde schon mal vorverglüht und es sind Kohlezigarren, die entzündet werden. Kleine Moxaschlötchen zum aufkleben sind auch gängig und aus der sogenannten Moxawolle werden kleine vulkanartige Kegel geformt. Ein Teller und einen Löffel zum Abstreichen und Löschen sollte immer parat stehen. Bei müden vollen Beinen kann z.B. der Akupunkturpunkt „Milz 2“ am Grundgelenk des großen Zeh, der sogenannte Feuerpunkt in der Erde, gemoxt werden. Er trocknet Feuchtigkeit und hilft beim Lernen, sowie gegen Schläfrigkeit, daher auch Schülerpunkt genannt, denn aufsteigende Feuchtigkeit vernebelt unseren Geist. Ein bis drei Schlötchen sind hier sehr angenehm. Als weiterer Punkt kommt der „Magen 36“ Akupunkturpunkt in Betracht. Unterhalb des Knies, der sogenannte „Postboten“*-Punkt, modern auch: „Tanz-noch-ein DJ-Set“-Punkt, kann er gut selbst gemoxt werden.

Hier findet ihr eine Anleitung für das Moxa an Magen 36:

Dieser Punkt hilft um bei Trägheit zu stimulieren ( Yang-Aktivierung) und Feuchtigkeit umzuwandeln, sprichwörtlich um aus dem Quark zu kommen.

Mit dem trockenen Moxa muß natürlich auch vorsichtig umgegangen werden, eine Überhitzung merkt Ihr schnell an stärkerem Durst. Die Zunge ist ein guter Indikator: Menschen mit einer sehr roten Zunge sollten Moxa nur nach Absprache mit einem TCM Therapeuten anwenden. Menschen mit blasser, gedunsener Zunge und zu dem mit kalten Gliedern dürfen ein bis zweimal wöchentlich die Punkte angenehm erwärmen um die Knochen zu trocknen. Egal welcher Typ ihr seid, ein Gespräch mit einem/einer TCMler*in solltet ihr vorab zur Sicherheit doch halten. In China wird Moxa viel als Hausmittel verwendet, vielleicht ähnlich unserer Rotlichtherapie, aber die Menschen sind auch mit der Theorie dahinter vertrauter. Im Zweifelsfalle macht es Euch unter dem Rotlicht gemütlich, dies wäre der Wärmflache ( =Feuchte Hitze!) jedenfalls vorzuziehen.

Als abschließende Idee, die Knochen zu trocknen, seien ein paar ätherische Öle genannt, die helfen können die Feuchtigkeit zu vertreiben: Da wäre Arnika und Wachholder zu nennen, Rosmarin-, Zedern-, Lavendel- und Orangenöl. Entweder als ätherische Öle in einem Cocos- oder Argan-träger-Öl Mischen und damit den Körper einmassieren oder die gängigen Biomarken auf entsprechende Mischungen ableuchten…(Weleda, Primavera etc.) Bei Körperölen würde ich auf jedenfall Bioqualität empfehlen, sich mit Pestiziden einzubalsamieren ist fraglich.

So viel zum Durchtocknen der Knochen aber vielleicht hat der Regen ja auch mal ein Ende !

*Postboten-Punkt wurde er in China genannt, da diese sehr große Strecken laufen mussten. Der Punkt dynamisiert und wird so auch in der TCM-Sportmedizin vor Wettkämfen eingesetzt.

2017-08-03 18.01.52

Zeitreise: Einmal hin und ins Jetzt

Heute war ich da. Im Kunstraum Bethanien. „BORN IN THE PURPLE“ ist die aktuelle Ausstellung des Künstlers Viron Erol Vert. Eine Auseinandersetzung mit dem was war und ist, in der Türkei, in Istanbul, längs familiärer, politischer und gesellschaftlicher Geschichte.

Zunächst leuchtet es mir grün, in dem langen hohen Flur des Bethanien, auf dem Weg zu der Ausstellung, entgegen. Im Pförtnerhäuschen erwartet mich eine „Vorab-Installation“. Schwarz dominiert, angeordnete Blumengebinde, Grußkränze, so, wie ich sie von dem Blumenladen auf der Ecke Adalbert-Oranienstraße und zu jeder türkischen Eröffnung eines Ladens oder Projektes kenne. Nur, diese Blumen sind verdorrt, trocken, tod und das Bild ähnelt eher einer Bestattung. Der Titel: „Wie glücklich wer sich Türke nennt!“. Ich fühle Trauer und Betroffenheit aufsteigen und denke schade, dass ich nicht zur Eröffnung da sein konnte. Ein Fernseher und zwei Mikrophone in dem kleinen Raum lassen erahnen, dass Viron hier seine performative Seite gezeigt hat.

Viron Erol Vert, Jahrgang 75 lebt und arbeitet in Berlin und Istanbul. Mit Abschlüssen der Textil- und Flächendesign Hochschule Weißensee, der UdK Berlin und der königlichen Akademie Antwerpens verfügt er über ein breites Spektrum um seiner forschenden Künstlernatur Ausdruck zu verleihen. Skulptur, Video- und Sound-Installation, Performances. Er pendelt zwischen den Städten und so wird auch seine Ausstellung zu einer Art Reise ins Purpurne… und Grüne.

Nach der Begrüßungsinstallation am Pförtnerhäuschen darf sich der/die Betrachter*in den Weg im Inneren wählen: Nach rechts auf eine Video-Installation zu oder geradeaus. Ich wähle geradeaus und folge dem Klang eines blechernen Brunnens und dem grünen Licht. Zuvor werde ich gebeten die Schuhe auszuziehen. Zum Glück ist es heiß und die Flipflops sind schnell weg. Das Kunstwerk liegt den betrachtenden Besuchern nun zu Füßen. Ein Teppich aus vielen Print-Teppichen. Zum schwarz und rot, was dominiert, gesellt sich etwas grün und blau. Bilder von Portraits, umsäumt mit Herzen, Rosen, Schiffssymbolen, wie Taue, Kompasse und Anker. Untermalt mit dem unablässigen plätschern, des quadratisch in der Mitte platzierten schwarzen Springbrunnen, dessen Fontäne blechern auf eine Spülamatur trommelt. Der Raum ist groß und entschleunigt. Am Ende der Blick auf den nächsten: Ein riesiger ominöser grauer Vorhang, mit Troddeln und aus schön geschwungenem Samt hängt dort. Ein Austellungsstück, wie vergessen, zu einer anderen Zeit, zu einer anderen Tür, zu einer anderen Geschichte. Nur der alte Kaufbeleg an der Wand, auf Türkisch, zeugt von seiner Herkunft.

Ich gehe weiter stehe vor einer purpurnen Nische. Warm und doch sonderbar türmt sich vor mir nicht der Turm zu Babel, sondern ein Turm aus verschiedensten kleinen dunkeln Holztischen, bestückt mit kleinen geheimnisvollen Holzschatullen auf. Geschichten wollen dort hinausschlüpfen, Geheimnisse vielleicht gelüftet werden. Nur eine Schatulle ist geschlossen, die oben aufliegt und so den Turm bewacht.

Ich wende mich dem nächsten Raum zu und sehe ein riesiges schwarzweiß Foto. 1973 steht darunter, eine Frau darauf ist gekennzeichnet, vielleicht Virons Großmutter? Es ist lebendig, eine Scene im öffentlichen Leben, im Restaurant oder einer Bar? Lachen, Freude, Essen und die obligatorische Bauchtänzerin. Ein anderer längst vergangener Beat klingt in mir an. In meinem Rücken eine beachtliche Restaurant-Karten-Sammlung. Designs aus den End 60ern und immer wieder die Familie auf Fotos dazwischen eingeklebt: Lachend, mal kritisch, in öffentlicher Gesellschaft in Istanbul. Kopftücher? Fehlanzeige. Viron stammt aus einer griechisch orthodoxen Familie, mit arabischen Einschlag und armenischer Tante. So sind die Familien Bilder einerseits ganz  privat und doch schmerzlich symbolisch für die sich verändernde Gesellschaft.

Ich folge nun dem roten Teppich in den schwarzen Video-Installations-Raum. Ein Knoten, vielleicht aus Blumenpapier, ist als Animation zu sehen. Zwei Kettchen, pink und grün, ähnlich wie Gebetskettchen umtanzen diesen spiralartig. Sie werden regelrecht zur DNA, die diesen Knoten gar befruchtet. Ein Loop. Dazu feine Klänge und der Gesang einer Frau. Tief hypnotisch, so hypnotisch wie der Brunnen, der immer noch den Regen von tausenden Wellblechdächern erzählt.

 

Auf dem Rückweg begegne ich Jolande und Mafalda in groß, den Püppchen der Großtante. Zwischen ihnen einzig und allein ein leeres Salz und Pfeffer oder Essig und Öl Körbchen zum Denkmal emporgehoben. Sie ebenen den Weg  zur neonbeleuchteten, pulsierenden „Döner Fleisch Bereitung“ Video-Installation. Und auch hier ist der Sound wieder hypnotisch, fast sakral, pulsierend im Atemfluß. Die Videos, teils im Zeitlupentempo abgespielt, wie in einer Beobachtungskanzlei arrangiert und doch so klein, dass das Genaue nicht so genau betrachtet werden muss. Viel rot und weiß bleibt hängen, zudem irgendwann entstehenden Doppelbild der Gesamtinstallation, zur industrialisierten Fleischverarbeitung.

 

Ich laufe nun den Flur wieder hinunter, direkt der  Videoinstallation, bei der Virons Hände einen weißen Stoffknoten binden und wie zu einer Fliege falten, in die Arme. Wieder wende ich mich und betrete die Installation: „Die Armenierin in der Küche, eine Griechin im Bett.“ Auf der Säule ein kleines goldenes Bambi bei der Mutter säugend, auf dem Boden ein riesiger Bambikopf – kopflos- und eine Leber, vielleicht. Der Raum ist purpur ausgeleuchtet.

So ist das goldene Glück am Boden doch anders zu betrachten, denke ich und wandere weiter auf den grünen Raum am Ende des Flurs zu. Ein paar Füße mit Waden dran stehen da nun, in Gold, vor einer Säule. Wie ein paar abgestellte Gummistiefel und an der Wand die Markierungsnägel, welche den Körper zu den Füßen erahnen lassen…. Neongelb beschriftet lese ich Limonu. Dahinter ein gesenkter Augenschlag in voller Tuchlänge… eine Foto-Printinstallation.

Nach all diesen Eindrücken trete ich den Rückzug an. Ich erinnere mich einen Samowar gesichtet zu haben. Noch einmal darf ich die Schuhe ablegen versinke in grünem Flauschteppich , bereite mir meinen Tee, es gibt sogar eine Anleitung, wähle mir einen Platz im grünen Salon mit den Kronleuchtern und einer Bibliotheksauswahl an Literatur rund um die Türkei und Istanbul. Kunst, Kochen, Soziologie bis Sprichwörter, für jede*n ist doch etwas dabei. Ich lasse es andächtig auf mich wirken. Geniese den Tee und freue mich, freue mich auf ein nächstes Wiederkommen.

Später lese ich die Zeitung, die eigens für diese Ausstellung gestaltet mit Texten von Viron ausgestettet im Foyer ausliegt und denke: Ja ich bin gereist, zwischen dem damals und dem jetzt. Jetzt sehe ich den Knoten auf dem Titel  wie ein geknotetes Betttuch, welches zur Flucht helfen kann. Das dazu gehörige Programm Heft enthält aufgeklappt noch eine Überraschung und von Film zu Diskussion bis DJ Abend und Essen, es steht noch einiges an, in Kooperation mit dem Pophyra Club, was zu dieser absolut empfehlenswerten Ausstellungs-Reise zu erleben ist.

„BORN IN THE PURPLE“ ist noch bis zum 27. 08. 17 im Kunstraum Kreuzberg, Bethanien  zu sehen.

Weitere infos auch unter: http://www.kunstraumkreuzberg.de/