Ein Stück Trost Datschi

Ein Stück Datschi gegen die Trauer, gegen den Kummer!?

Eigentlich heisst es ja ein Stück Schoki gegen den Kummer , aber bei mir ist es der Datschi. Für alle, die denken ich bräuchte ein Ferienhaus, nein, ich meine nicht die Datscha, sondern köstlichen Pflaumen- oder gar Zwetschgenkuchen, in süddeutscher Mundart auch Datschi genannt. Um eben diesen geht es, denn er ist meine persönliche  saisonale Eröffnung  der Herbstzeit.

Der Herbst steht in der chinesischen Elementelehre für  das Element Metall.

Zeit für Abschied, vom Sommer, vom Jahr, von einem Zyklus, verbunden mit etwas Trauer… denn Loslassen und Platz machen kann auch endgültig sein.

Wenn ich zu Beginn des Herbstes  anfange Pflaumenkuchen zu backen, dann denke ich an vergangene Zeiten. An die Zeit als ich das Backen entdeckte, angeregt durch meine Oma und zeitgemäß mit Vollkornmehl experimentierte. Ich nahm 20 km Fahrradfahrt in Kauf nur um an meinem Geburtstag (Ende September) Pflaumenkuchen mit einem Hefeteig aus Vollkornmehl servieren zu können. Heute, wo es fünf Bioläden um die Ecke und jeder Supermarkt eine Bioecke führt, kaum mehr vorstellbar…

Aber was mich am meisten, bei dem Geniesen des ersten Pflaumenkuchen im Jahr, bewegt sind die Erinnerungen an meine Oma. Denn die hatte eine recht eigentümliche geschmackliche Vorliebe:

Nichts ging über ein Stück leckeren Pflaumenkuchen zusammen gegessen mit einer  kräftigen Kartoffelsuppe!

Ich liebe es meinen Kindern dies zu erzählen,  die sich bei der Vorstellung regelmäßig schütteln, aber im Grunde ist es eine Variation, die fast chinesisch anmutenden läßt: süß-sauer und salzig!

Das Foto oben zeigt meine Oma zusammen mit meiner Mutter Ende der 40er Jahre. Mein Opa war Fotograf und  dieses Foto entstammt einer  Serie, die eine Werbeaktion für die erhoffte Kundschaft war. Schon als Kind war ich über dieses Bild wegen der vergangenen Jugendlichkeit, obwohl meine Oma da auch schon mindestens 45 war, sehr fasziniert. Habe ich sie doch nur als wirklich ältere Frau erlebt, die ständig putzte, kochte und lecker buck und, wenn sie mal etwas verloren hatte, den heiligen Antonius um Hilfe bat.

Fotos haben, so finde ich, einen besonderen Hauch von der Metall-Qualität. Insbesondere schwarz-weiß Fotos. Denn dem Metall werden die Farben weiß, silber, grau zugeordnet, Farben, die auf den alten Fotos zu finden sind. Meine Mutter, die im Fotolabor als Teenager die schwarz-weiß Bilder entwickelte, erfreute sich insbesondere der Fotos von Wolkenbergen. Zu beobachten wie sich  ihr diese,  in der Entwicklerwanne, immer mehr offenbarten und vor ihrem Auge  aufquollen, so wie mein Hefeteig, war der Highlight eines Labortages.  Es sind die Momente des Innehaltens, wenn der Atem fast stockt, um den spannenden Moment, einer neuen Entwicklung, durch nichts zu verpassen.

Im Herbst,  wenn das Trennen vom Sommer oder anderem zu schwerlastig wird und uns regelrecht den Atem verschlägt, dann können wir uns mit bewußten Atemübungen wieder in das Leben zurück bringen. Die Meditation: Einatmen und die Zukunft dabei ein atmen und Ausatmen und dabei die Vergangenheit aus atmen, hilft aus der Stagnation des gestockten Atems – Lebens- zu entkommen. Denn das Leben ist rund und  dreht und atmet einfach und fast unverschämt weiter, dann doch besser aktiv mit uns wie ohne uns! Auch andere Qi Gong Atemübungen beleben in dieser Zeit, rhythmisieren und stärken sogar die Abwehr.

Veränderung ist ein Teil von uns und kann freundlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge begrüßt werden, statt alles festhalten zu wollen, was letztlich noch zu Verdauungsproblemen führt. Denn zum Metallelement zählt nicht nur die Lunge, sondern auch der Dickdarm.

Fragen die wir uns stellen können und im Herbst unser Metall stärken sind:

Welche Pläne kann ich los lassen?

Welche Beziehungen kann ich los lassen?

Welche schlechten Gewohnheiten kann ich loslassen?

Welche Trauer kann ich los lassen?

Welche Ängste kann ich los lassen?

Diese fünf Fragen zeigen die Metallqualität in jedem der fünf chinesischen Elemente: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser.

So wünsche ich ein freudvolles oder zumindest bewußtes Loslassen der Dinge, die wir nicht mehr brauchen um Platz für die neuen Dinge, Menschen, Lebensabschnitte und Entwicklungen zu machen.

Und dabei  genieße ich, in süßsaurem Andenken an meine Oma, das erste Stück Datschi und den Beginn der Herbstzeit, manchmal auch auf einer Datscha.

PS.: In den Wartezeiten für die Hefe könnt Ihr daddeln, stricken, atmen oder vielleicht etwas loslassen, nur laut schreien solltet ihr nicht, denn dann geht die Hefe kaputt und der Teig wird nicht locker. Das ist ein Tipp von meiner Oma, aber vielleicht wollte sie ja nur, das wir nicht so einen Lärm in der Küche machen…

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