Pang-Guang, die Blase

Funktion, Krankheit und Prävention in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM)

Als Hauptfunktion der Blase wird das Empfangen und Ausscheiden des Urins benannt. Den Urin empfängt sie von den Nieren. Dieser wird aus den, von Lunge, Dickdarm und Dünndarm übermittelten, trüben Bestandteilen gebildet. Blase und Niere bilden ein Funktionspaar und reflektieren dadurch eine Innen-Außen-Beziehung. Die Blase ist ein sogenanntes Yang Organ und die Nieren sind das Yin Organ. Eine Schwäche der Blasenfunktion äußert sich in Schwierigkeiten beim Wasserlassen, Brennen und Inkontinenz, durch die Innen-Außen-Beziehung geht es emotional um Beziehungsarbeit.

In der chinesischen Medizin werden unsere Organe paarweise den 5 Elementen: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser zugeordnet. Die Elemente werden zyklisch in dieser Reihenfolge betrachtet. Das Holz ist der Frühling und das erste Element, das Wasser am Ende der Winter. Alle Organe stehen in dem zyklischen Austausch der Elemente in Beziehung miteinander. Die Organpaare sind jeweils eines ein Yin Organ, empfangend und das andere ein Yang Organ, eher abgebender Funktion um es vereinfacht auszudrücken. Alle Organe versorgen wiederum die Meridiane, die sogenannten Lebensenergie-Leitbahnen und können an den Akupunktur- oder auch Akupressurpunkten behandelt werden. Die chinesische Medizin ist eine ganzheitliche Therapiemethode.

TCM-traditionelle Chiessiche Medizin
5 Elemente Fütterungszyklus nach der chinesischen Medizin

 

Unsere Blase zählt zum sogenannten Wasserelement. Ihr Partner- oder auch Geschwister-Organ sind die Nieren. Beide zusammen stellen das Wasserelement des Körpers dar. Dem chinesischen Wasserelement wird die Jahreszeit des Winters zu geordnet. In dieser Zeit brauchen wir viel besonders viel gestärkte „Wasserkraft“ um gut durch die kalte und dunkle Jahreszeit zu kommen.

Krankheitsursachen

Der emotionale Aspekt des Wasserelement ist auf der einen Seite der Mut, auf der anderen die Angst. Wir kennen Sprichwörter wie: „Da hab ich mir vor Angst fast in die Hosen gemacht“ oder „Das geht mir an die Nieren“. Wenn unser Wasserelement geschwächt ist können wir seelisch unter Ängsten leiden oder Depressionen haben.

In der chinesischen Medizin gibt es verschiedene krankheitsauslösende Faktoren. Zum einen emotionaler Art, die „Sieben Emotionen“ und zum anderen klimatischer Art, die „Sechs bösartigen Einflüsse“.

Zu den krankmachenden Emotionen zählen: Wut, exzessive Freude*, Schwermut/Sorge, Trauer/Kummer und Angst/ Furcht. Diese Emotionen sind den Elementen zugeordnet, das Wasser Element wird durch Angst und Furcht stark geschwächt. Stress und zu wenig Schlaf zehren das Wasserelement zudem aus. Ein Burn-Out ist eine Folge von einer totalen Auszehrung der Elemente, im Spätstadium einer Erschöpfung der Wasserenergie, einhergehend mit Depression.

Die „Sechs bösartigen Einflüsse“ sind Wind, Hitze, Nässe/Feuchtigkeit, Trockenheit, Sommerhitze und Kälte. Dem Wasserelement setzt insbesondere die Kälte zu. „Die Blase verkühlt“, kennen auch wir. Eine verkühlte chronisch infektiöse Blase kann die Frau im Stimmungsbild eher ängstlich werden lassen und anders herum große Angst schwächt die Blase, so dass Infektionen sich leichter breit machen können. Die Frage nach: „Wer war zuerst da?“, also die Emotion oder ein klimatischer Einfluss, ähnlich der Huhn oder das Ei Frage, stellt sich in der chinesischen Medizin nicht, als Ursache kann beides ein gleichberechtigter Auslöser sein.

Vorbeugung

Aus diesen grundsätzlichen Betrachtungen ergeben sich schon einige Dinge, die bei häufigen Blaseninfekten oder bei Harnverhalt vorbeugend zu beachten sind: Schutz vor Kälte und Sorge tragen für Entspannung, unsere Batterien aufladen. Tatsächlich ist das Wasserelement der Speicher unserer Lebensenergie, also so etwas wie unsere innerste „Powerbank“, die wir bei der Geburt von unseren Eltern mit gegeben bekommen. Das kann mal mehr, mal weniger sein, je nachdem in welcher energetischen Situation sich die Eltern bei der Zeugung, und die Mutter während der Schwangerschaft und in der Geburt befanden.

Niere und Blase spielen also zusammen beim Inneren nach Außen lassen, eine Frage könnte zum Beispiel sein: „Wovor habe ich Angst es nach Außen zu lassen?“, wenn immer wieder Harnverhalt auftritt. Da hier der Beckenboden mit ins Spiel kommt, er verkrampft sich und behindert den freien Abfluss, ist es sehr hilfreich Beckenboden Enstpannungstraining zumachen. Das regelmäßige Sitzen auf einer Ballblase schafft Entspannung, die Betonung liegt hier auf Entspannung innen und außen. Möglicherweise muss daher mal geprüft werden, was im Außen für Stress sorgt, welche Beziehungen uns gar Angst machen. Die Niere ist das einzig paarige Organ und wird oft mit Beziehungsthemen in Verbindung gebracht, sie bilden mit der Blase eine Einheit.

Die Blase und unser Körper

Das die Blase ein sehr wichtiges Organ ist zeigt sich auch daran, dass der längste Meridian, der Blasenmeridian, von ihr energetisch versorgt wird. Dieser Meridian, mit 67 Einzelpunkten, beginnt an unserer Nasenwurzel, zieht sich parallel über den Kopf, teilt sich an den Schultern, so das parallel zur Wirbelsäule ein innerer und äußerer Ast verlaufen. Er zieht über den kompletten Rücken. Hier finden sich alle sogenannten Organ-Zustimmungs-Punkte, die in der Akupunktur und Akupressur eine große therapeutische Bedeutung haben. Er fließt unterhalb des Po wieder in einen Strang und verläuft an der Beinrückseite, längs der „Strumpfhosennaht“, hinab durch die Mitte der Kniekehle, weiter zum Fuß außen um den Knöchel herum, bis zum kleinen Zeh.

Schon durch den Verlauf ist zu erkennen wohin die Blasenkraft wirkt:

Haarausfall ist eine Hitze im Blasenmeridian, Beschwerden am Rücken und natürlich am unteren Rücken deuten auf ein energetisches Ungleichgewicht, möglicherweise ausgelöst durch vorab genannte Krankheitsursachen. Kniebeschwerden, es grüßt die Blasen- und Nierenenergie. Natürlich betrachten wir die Blase niemals alleine, es wird immer geschaut wie geht es der Nierenenergie, ihrem Geschwister Organ, wie geht es den Organen, die in den Elementen vor oder nach dem Wasser kommen.

Die Elemente Zyklen

Die Elemente sind zyklisch, und das Element vor dem Wasser nährt es und das Element nach dem Wasser wird von diesem versorgt: Mutter-Kind-Zyklus wir dies auch genannt. Ist die Mutter schwach, in dem Falle das Metallelement, kommt nicht genügend Energie in das Wasserelement. Das Metallelement, da sind die Organe Lunge und Dickdarm zugeordnet. Eine Infektanfälligkeit mit vielen Erkältungen schwächt folglich das Wasserelement.

Auch in der anthroposophischen Medizin gibt es den Zusammenhang von Stirn- und Nebenhöhlen- und Blasen-/ Niereninfekten. Wenn die Ausscheidungsfunktion gestört ist entsteht Sinusitis.

Ein sehr schönes rein pflanzliches Präparat ist: Angocin, Tabletten, die aus Meerrettich und Kapuzinerkressenextrakt hergestellt werden. Es gilt als pflanzliches Antibiotikum bei Blasen- und Stirnhölen Infektionen. Die beiden Kräuterbestandteile wirken zerstreuend und klärend. In der chinesischen Medizin sind Produkte die kühlen, wie z.B. Präparate die Minzöl enthalten, bei Kälte nicht angezeigt. Hier wird gewärmt und zerteilt. Mild scharfes und senfglycosidhaltige Pflanzen, die das Metallelement stärken und damit auch die Nieren wären: Meerrettich, Senf, Zwiebeln, Knoblauch, Rettich Radieschen, Sellerie. Und natürlich, viel warmes Essen und trinken: Tees, Suppen und Brühen. Miso Suppen, aus fermentiertem Soja hergestellt, am Morgen, Mittag und Abend mit etwas Ingwer und etwas frischer Zitrone getrunken, beugen vor und schützen. Wir erinnern uns: „die Blase gibt die trübesten Säfte ab“, also brauchen wir klare Suppen um zu reinigen. Dicke, fette Eintöfpe sind da nicht gefragt, eher Hühnerbrühe oder Zwiebelsuppe, jede Form von Minestrone, die klassische italienische Gemüsesuppe und dicke Socken oder Stulpen. Zum Glück sind Strickmoden wieder „in“, selbst der Postillion schreibt schon von der neuen Knöchelschal-Mode.

Zeigt her eure Füße…

Warme Füße sind bei dauerhaften Blasenkatharr leider oft Mangelware, daher empfiehlt es sich viele Fußbäder und Fußgymnastik, zB. mit einem Igelball zu machen. Dies entspannt nicht nur geplagte Füße sondern beugt zudem vor. Die Füße werden auch als unsere dritte Niere bezeichnet. Viel Fußgeruch, zeigt eindeutig eine Überlastung an Stoffwechselprodukten. Fußbäder helfen da und Massagen. Klassische Massagen der chinesischen Medizin: Die Tui-Na-Massage, was soviel wie „ziehen und schieben“ heißt. Dabei werden dynamische Massagegriffe verwendet. Schröpfen mit dem Saugglas, klopfen mit dem Pflaumenblütenhämmerchen. Dies ist ein kleiner Nadelhammer, der leicht, aber schnell über die Zonen auf der Haut klopft und Entlastung bringt. All diese Methoden sind wärmender und zerteilender Art um Kälte zu vertreiben und die Wasserenergie zu stärken. Moxatherapie, mit einer Moxazigarre, bestehend aus fermentierten und manchmal auch schon vorverkohltem Beifuss, werden die Akupunkturpunkte an den Füßen und Unterleib gewärmt oder auch die Nadeln.

Moxibustion
Moxatherapie auf dem Bauchnabel

 

Das Wasserelement im Winter pflegen

Das Wasserelement möchte im Winter besondere Pflege: Mehr Ruhe, einen Gang kürzer treten, mehr Schlaf. Wie die Natur, die sich hier in ihren inneren Kern zurückzieht, die Bäume ziehen das Wasser in die Wurzeln, die Blätter fallen ab. So tut auch uns es gut aus der sommerlichen aktiven Freude nun etwas besinnlicher mit uns um zugehen. Yin Yoga ist hier eine optimale Unterstützung. Die chinesische Wasserzeit beginnt übrigens im November und endet im Januar. Ab Februar haben wir es schon mit dem nächsten Element zu tun, dem Holz: Leber und Gallenblase sind seine zugeordneten Organe. Ab da darf bewegt und gefastet werden, die Muskeln werden von diesem Element versorgt.

Europäische Heilkräuter

In einen guten Blasentee gehören Schachtelhalm, Goldrute und auch Wacholder, in vielen Fertigmischungen sind sie, ausgewogen balanciert, zu finden. Ein besonderes Blasenkraut möchte ich noch vorstellen, eines was ein bisschen ein Schattendasein führt wegen seiner bekannteren schlanken Schwester: den Breitwegerich. Er ist eine Pflanze, die an Wegesrändern, am Übergang von hell zu dunkel, am Übergang von Wald zu Feld zu finden ist und nicht nur buchstäblich etwas im Schatten steht. Diese wunderbare Pflanze verordne ich gerne wenn viele Ängste vorhanden sind, die Menschen gerade auf einer Schwelle des Lebens stehen, Angst vor dunklen Gefilden (ihrer Seele) haben oder alten traumatischen Erlebnissen. Wenn eine Blasenentzündung einhergeht mit diesen emotionalen Mustern, ist der Breitwegerich sehr gut angezeigt. Sein lateinischer Name ist: Plantago major. Eine große Pflanze, wie es scheint. In der Signaturenlehre, der Kunde, die vom äußeren Erscheinen der Pflanze Rückschlüsse auf ihr Wirkungsspektrum macht, passt er sehr gut: wie eine Blase sehen die breiten dunkelgrünen Blätter aus.

Plantago major
Breitwegerich

Die Farben, der Geschmack und Teatime

Die Chinesen ordnen jedem Element eine Farbe zu und auch einen Geschmack.

Die Farbe des Wassers ist schwarz und so stärken Lebensmittel die schwarz sind besonders gut unsere Blasen- und Nierenkraft. Das wären die schwarzen Bohnen und Linsen, schwarzer Sesam, schwarze Algen, Misopaste und Sojasoße zählen zu den Wassernahrungsmitteln, so wie Fisch, insbesondere Meeresfisch. Der Geschmack ist der salzige, so kann dieser die Nieren stärken, zu viel davon wirkt schwächend. Die sogenannte Organzeit des Nieren- und Blasenmeridians ist am Nachmittag. Zuerst die Blase 15-17h, dann die Nieren 17-19h, passend zur klassischen Teatime. Hier den Tee genossen erfreut dies Blase und Niere umso mehr, denn zu diesen Zeiten können die Organe besonders gut erreicht/behandelt werden.

Alle hier genannten Hinweise können nur auf eigene Verantwortung angewandt werden und sollten mit deiner TCM Therapeutin besprochen werden.

Diesen Artikel findet ihr auch in der neuen Ausgabe der Clio, die Zeitschrift des FFGZ Berlin. Diese  Ausgabe handelt rund um das Thema Blase!

Kurs zum Beckenbodentraining BEYO aktuell im Chisalon jeden Mittwoch von 18.30-19.30h

Bilder

©Heike Brunner

Fotos/Zeichnungen: Chinesischer Zyklus der Elemente, Moxa am Bauchnabel mit einer Ingwerscheibe, Breitwegerich

*Exessive Freude ist die Emotion des Feuerelement, welchem das Organ Herz und unser Geist, das sogenannte „Shen“ zugeordnet wird. Mit exessiver Freude werden z.B. Zustände beschrieben die durch Drogenkonsum entstehen können, aber auch Gefühlsbilder wie „Himmel hoch jauchzend, zu Tode betrübt“, fallen hierunter, so auch alle manischen Zustände.

 

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